Unsere Geschichte

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ACM - Lübeck
 
 Erzählt von Michael Bethke, geschrieben von Ulrike Schönberg, frei nach den Schreiben, Schriftstücken und Protokollen von 1986 bis ca.1987
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Und obwohl die Stimmung im Mai 1986 ausgelassen und gut war, und die Band „Silent Touch“ bis in den Abend hinein noch spielte zu Grillwurst hinter dem Herrenhaus, und Bernd- Jürgen Hamann eine Vertretung zu diesem historischen ersten Motorrad- Gottesdienst nach Lübeck sandte, und obwohl sich die Teilnehmer im Juni 1986 mit den Worten: „Tschüß – fahr vorsichtig. – Denk an Engfred!“ voneinander verabschiedeten, war Michael Bethke doch enttäuscht über die geringe Resonanz und Beteiligung von nur etwa 70 Maschinen, mit Fahrern und ca. weiteren 30 Personen, Sozius sowie Sozia.

Das Jahr 1987 nutze er zur Ruhepause und zum Überlegen und ließ sich das Thema „Gottesdienst für und mit Motorradfahrern/- innen in Lübeck“ in Ruhe durch den Kopf gehen. Michael B. fuhr im Frühjahr 1987 mit der MCL ( Motorrad-Club Lübeck) zum Koppelsberg zur Eselwiese.
Dort nahmen sie gemeinsam an einem Freilicht- Gottesdienst vor einem LKW teil und ließen sich neu inspirieren. Dann, im Mai 1987 fuhr Michael B. zum Open-Air-Gottesdienst für Motorradfahrer nach Hamburg zum Michel bei der großen Freitreppe. Er war sehr angetan von der Predigt und Ausrichtung durch Reinholz Hintze, Pastor der Polizei Hamburg, und der musikalischen Unterhaltung durch die Brass-Band der Freiwilligen Feuerwehr Sasel.
Und er holte sich Ideen und Anregungen bei der anschließenden gemeinsamen Fahrt nach Ollsen in die Nordheide. Eine Demo-Fahrt für mehr Verständnis unter den Verkehrsteilnehmern, u.a. Auto- und Motorradfahrern, beabsichtigte Michael B. auch in Lübeck durchzuführen.

Im Juni 1987 nahm Michael B. am Deutschen Evangelischen Kirchentag in Frankfurt teil und besuchte dort den Drive-In-Gottesdienst am Römerberg mit Pfarrer Ruprecht Müller-Schiemann. Dort in Frankfurt erhielt er dann auch eine Einladung von Pfarrer Bernd- Jürgen Hamann zum Drive-In- Gottesdienst im folgenden Jahr nach Berlin zu kommen. Aber erstmal ließ Michael B. sich von den Eindrücken des Eventes beeindrucken.

Im Sommer 1987 dann besuchten Michael Bethke und Hans-Dieter Krüger zusammen mit Rolf Wagener in Hamburg den Gottesdienst einer evangelikalen Kirchen-Gemeinde, die ihnen ihre Band für den nunmehr schon geplanten Gottesdienst in Lübeck im Frühjahr 1988 angeboten hatte. (Aber das Angebot war nicht geeignet für Lübeck. s. unten.)
Nach einer kurzen, problemlosen Anreise mit den Motorrädern bei annehmbaren Wetter erlebten die drei Lübecker einen bewegenden Gottesdienst mit wehenden Armen und Händen und Heilungszeugnissen. Beim Wegfahren aus Hamburg waren die Drei der Meinung, dass dies ein beeindruckendes Erlebnis war, für Lübeck und für den dort geplanten Motorrad-Gottesdienst aber leider aus stilistischen Gründen nicht in Frage kam. Zitat: „Wenn die so mit den Armen wedeln, laufen uns die Biker aus der Kirche!“
Die drei Erkunder aus Lübeck waren wieder guten Mutes, an ihren Ideen für einen Motorradfahrer-Gottesdienst in Lübeck weiter zu arbeiten. Sie trafen sich und beratschlagten, wie sie es anstellen sollten, andere Menschen und Gleichgesinnte (Gläubige, Christen, Motorradfahrer, Menschen, Bürger) auf sich aufmerksam zu machen. Sie überlegten, dass es wohl Sinn machen würde, eine Anzeige in den örtlichen Zeitungen aufzugeben und eventuell eine entsprechende Presseveröffentlichung herauszugeben.

Im Herbst 1987 schalten sie eine Anzeige, dass die ACM Lübeck Gleichgesinnte sucht: Und die „Lübecker Nachrichten“ veröffentlichten einen Kurzartikel über die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Motorrad- Fahrer/-innen in Lübeck“.
Sie wollten einmal im Jahr einen Gottesdienst in Lübeck durchführen, so ihre Überlegungen zur Gründung, und ansonsten sollte ihre Arbeit dazu beitragen, dass es im Straßenverkehr zu mehr Sicherheit und zu mehr Verantwortungsbewusstsein kommt. Auch hofften sie, dass ihre Bemühungen dazu beitragen würden, dass die Zahl der Motorradunfälle sinken würde.
Außerdem trafen sie sich Michael Bethke, Hans-Dieter Krüger, Rolf Wagener und die ersten Interessierten aufgrund der Anzeige sowie Gleichgesinnte aus MCL, LMF, Goldwing Hanse und BMW-Club nun schon am jeweils letzten Donnerstag im Monat zu gemütlichem Beisammensein in der Paul- Gerhardt-Kirche und zu gemeinsamen Ausfahrten.

Den Winter 1987/88 über planten sie bei ihren Treffen am Donnertag den nun ersten Motorrad-Gottesdienst seit ihrer Gründung: für das Frühjahr 1988. Er sollte im April 1988 in der St.- Marien-Kirche zu Lübeck gefeiert werden. Michael Bethke als Pastor, Rolf Wagener als Kirchenmitglied und Heinz-Peter Manthey organisierten, was das Zeug so hielt. Wie viele Plakate müssten sie wohl haben? Welche Strecke für die Demo- Fahrt? Mussten etwa Genehmigungen eingeholt werden? Wie sollte überhaupt das Thema des Gottesdienstes lauten? Welche Lieder, welche Choräle würden sie singen können? Man überlegte hin, man überlegte her. Und dann war doch schnell klar! Das Thema dieses ersten Anlass- Gottesdienstes nördlich von Hannover (so damals die Presse!) sollte: „Fahr nie schneller als Dein Schutzengel fliegen kann“ lauten. Auch wollten sie Schutzengelaufkleber und gelbe Bänder, so wie in Frankfurt und Hamburg, verteilen.
Es gelang ihnen gemeinsam den Winter über ihren Gottesdienst von Motorrad- Fahrern/-innen für Motorrad-Fahrer/- innen zu gestalten und die Ausführung und Liturgie ( Gottesdienst- ordnung) des Gottesdienstes durchzuplanen. Die Gratwanderung, die ihnen noch im Herbst 1987 durch die Köpfe ging, ob es ihnen gelingen würde, Gleichgesinnte zu finden, die auch Interesse dran haben würden, Menschen mit und ohne Motorrad, die mehr oder weniger eine Verbindung zur Kirche und dem christlichen Glauben haben würden, zu erreichen, war gelungen. Viele strebsame, denkende, planende, handelnde, aber auch lebenslustige und dem christlichen Glauben gegenüber offene Menschen trafen zusammen und ließen eine Gemeinschaft, einen „Kreis“ entstehen, die mit viel Spaß und Energie dies Projekt aus der Taufe hoben. 
Auch wenn sie bis April 1988 mit Ernst arbeiteten an der Gestaltung des Motorrad- Gottesdienstes, war doch die Feier des gemeinsamen christlichen Glaubens und der Spaß bei den Treffen dieser Gemeinschaft das Ziel. Und es wurde ein voller Erfolg!!

Die Presse, die „Lübecker Nachrichten“, die „Bild“, etc., etc., berichteten über den am Sonntag, 24. April 1988 um 14.00 Uhr stattfindenden Motorrad- Gottesdienst mit vielen lobenden Worten. Mit den Worten: „Halleluja mit Helm und Lederzeug“ als Überschrift wurde drüber enthusiastisch berichtet.
Pastor Michael Bethke wurde in den „ LN“ zitiert, dass „er, die Maschine und der Weg eins werden“. Er verglich damals das Motorradfahren mit dem Leben des Menschen mit den Worten: „Wer im Alltag Jesus im Visier hat, der kommt genauso gut ans Ziel, wie ein Motorrad - Fahrer, der auf Straßen und Kurven achtet.“ 
Ein Satz, der auch heute und vor allen Dingen in der heutigen Zeit für Michael Bethke noch gilt und uns Halt gibt in schweren Momenten. Die „Bild“ schrieb damals, dass 600 Motorrad-Fans auf 350 Maschinen sich beim Gottesdienst trafen.
Michael Bethke, Paul-Gerhardt- Gemeinde, und Pastor Hans-Dieter Krüger von der St.-Gertrud-Gemeinde sowie ihre Mitwirkenden der ACM - Lübeck- Gruppe ernteten zwar auch Kritik, aber eigentlich mehr Lob und Anerkennung für ihre Veranstaltung. Klar, die Kleidung fiel an dem Tag aus dem gewohnten Rahmen, denn Leder trägt der eigentliche sonntägliche Gottesdienstbesucher eher selten, und trotzdem fanden sich auch diese zwischen den Kradlern wohl gelaunt auf den Bänken von St. Marien ein.

In der Begrüßungsszene sprachen „Moni“ und „Jörg“ über das Anlassen der christlichen Motorradfahrer in Lübeck. Auch wenn Moni sich erst den lieben Gott vom Leibe halten wollte, konnte Jörg sie doch noch umstimmen. Einige Tage vorher schnitt ein unvorsichtiger „ Doofmann“, wie er damals meinte, ihn von rechts dermaßen, dass er/Jörg sich fast hingelegt hätte. Er konnte ausweichen, einen Haken schlagen und sicher weiterfahren. Jörg ist sich sicher, dass Gott ihm beistand und ihm geholfen hatte. Auch sprach sich Jörg dafür aus, dass man Gott ruhig darum bitten kann, dass er für alle mal seine Finger bemüht oder auch ´nen Schutzengel schickt. Und dass man dann Gott auch dafür dankt, dass man vorausschauend fährt und umsichtig im Straßenverkehr miteinander umgeht. „Halleluja“ heißt: „Gott sei gelobt.“
Herrn Ernst-Erich Stender, Musik- Professor, konnten sie schon damals gewinnen. Er begleitet seit damals die Choräle in den Motorrad-Gottesdiensten der ACM - Lübeck in St. Marien. Als musikalische Untermalung spielte in diesem Jahr die Band des Johanneums Lübeck moderne Weisen und den von Bernd-Jürgen Hamann gedichteten und vertonten „Psalm der Motorradfahrer“.
Der damalige Korso führte rund um Lübeck zum Babyland in der Lohgerberstraße, Lübeck-Moisling. Hier fand ein Geschicklichkeitsfahren statt, und die Teilnehmer unterhielten sich noch angeregt einige Stunden über den Gottesdienst, den christlichen Glauben und die Gemeinschaft. 
Auch interessierten sich wieder Einige für die Treffen der ACM - Gruppe am Donnerstag. Sie kamen dann zu den nun 14tägig am Donnerstag statt findenden Treffen und arbeiteten den Sommer über mit an der Gestaltung des Abschluss- und Gedenkgottesdienstes im September 1988 in der Paul-Gerhardt-Kirche, Lübeck.

Man hatte sich zwischenzeitlich in der Gruppe beraten und fand, auch im Herbst sollte Gottesdienst der Motorradfahrer sein. Wir können im Frühjahr nicht bitten: „Bitte bitte lieber Gott, behüte uns“ und dann im Herbst nicht: „ Danke lieber Gott!“ sagen!!! Der Gottesdienst im Mai 1987 war für Reinhard Wutzke (Willi Wutz genannt) die erste Berührung mit der ACM und den Gottesdiensten für Motorradfahrer. Allerdings anders als er es sich wünschte, denn er war auf dem Wege zu seinem Dienstbeginn bei der Bundeswehr und die Korsoteilnehmer versperrten ihm seinen Weg. Er geriet leicht in Zeitnot und dachte bei sich: „Was machen die denn da ich muss doch weiter!!“ und war damals leicht angenervt. Er lass halt in der Lübecker Nachrichten, dass es eine Gemeinschaft sei, mit christlichem Glauben und Kirche und Treffen und so wollte aber eigentlich keine weitere Berührung. Hatte er doch damals mit seinem Dienst bei der Bundeswehr eh genug um die Ohren.

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